Das persönliche Gespräch: Die häufigsten Fragen im Interview mit Förderinstitutionen
Nachdem Du Dich für ein Stipendium beworben hast und erfolgreich ausgewählt wurdest, folgt normalerweise ein persönliches Gespräch. Solche Interviews laufen ganz unterschiedlich ab. Manche Interviewer arbeiten mit vorformulierten Fragen, um die Antworten direkt vergleichen zu können. Andere setzen auf ein lockeres Gespräch, um ein besseres Bild von der Persönlichkeit der Kandidaten zu bekommen.
Beschreibe Deinen eigenen Lebenslauf
Oft wirst Du gebeten, Deinen Lebenslauf zusammenzufassen. Diese Frage kann auf viele Arten gestellt werden. Der Interviewer könnte zum Beispiel sagen: „Erzählen Sie ein bisschen über sich." Bei dieser Frage solltest Du Dich auf Deine bisherigen Erfahrungen und Erfolge konzentrieren.
Beginne mit Deinem Studienabschluss. Sprich darüber, was Du erreicht hast und wann Du ihn erworben hast. Natürlich hast Du keine Zeit, Deine ganze Lebensgeschichte zu erzählen. Konzentriere Dich stattdessen auf die wichtigsten Meilensteine. Hebe die Bereiche Deines Lebenslaufs hervor, die zu den Zielen der Organisation passen, bei der Du Dich bewirbst. Und gib Deinem Interviewer Zeit, Fragen zu dem zu stellen, was Du sagst.
Warum Du das Stipendium bekommen solltest
Eine weitere häufig gestellte Frage ist, warum gerade Du das Stipendium erhalten solltest. Darauf solltest Du vorbereitet sein. Deine Antwort sollte Deine Stärken hervorheben, aber keinen direkten Vergleich mit anderen Kandidaten ziehen. Sag zum Beispiel nicht, dass Du der sozial engagierteste Kandidat bist. Zeige stattdessen Deine Erfahrung in diesem Bereich. Die Stärken, die Du hervorhebst, solltest Du nach ihrer Bedeutung für das Stipendium ordnen. Vermeide dabei aber leere Aussagen. Versuche stattdessen, jede davon mit ein paar Beispielen zu belegen.
Finanzielle Bedürftigkeit ist ein weiterer zentraler Teil der Antwort auf „Warum verdienst Du dieses Stipendium?" - aber eben nur ein Teil. Erkläre sowohl das Ausmaß Deiner Bedürftigkeit als auch die konkrete Wirkung, die das Geld auf Dein Studium hätte, und verknüpfe das mit den Zielen des jeweiligen Stipendiums und damit, wie sie zu Deinem eigenen Leben passen. Es hilft außerdem, anzuerkennen, dass es viele würdige Bewerber gibt, und dann zu zeigen, was Dich von der Masse abhebt - zum Beispiel eine starke akademische Bilanz in Kombination mit einem erheblichen gesellschaftlichen Engagement.
Die Haltung der Organisation widerspiegeln
Viele Organisationen und Förderinstitutionen haben einen klaren Schwerpunkt. Sie können zum Beispiel politisch ausgerichtet sein, sodass ein Interviewer Dich nach Deiner politischen Haltung fragen könnte. Normalerweise wirst Du nicht direkt gebeten, Dich zur Partei zu äußern, aber politische Themen können durchaus diskutiert werden.
Aktuelle Themen aus den Zeitungen
Viele Interviewer stellen Fragen zu aktuellen Meldungen aus den Nachrichten. Damit wollen sie herausfinden, ob Du Dich für das Tagesgeschehen interessierst und ob Du klar und strukturiert argumentieren kannst. So erfahren sie etwas über Deine Persönlichkeit. Sorge also dafür, dass Du weißt, was in den Nachrichten passiert, damit Du Dich an einer solchen Diskussion beteiligen kannst. Es ist peinlich, wenn Du von einem bestimmten Thema erst während des Gesprächs erfährst.
Steh zu Deinen Stärken und Schwächen
Interviewer erfahren gerne etwas über Deine Stärken und Schwächen, um zu sehen, ob Du Dich realistisch einschätzen kannst. Natürlich willst Du einen positiven Eindruck hinterlassen, also solltest Du Dich auf Deine Stärken konzentrieren. Aber achte darauf, auch Schwächen zu nennen, denn Du willst nicht als jemand wahrgenommen werden, der keine Kritik annehmen kann. Und achte darauf, dass es echte Schwächen sind.
Nenne zuerst drei Stärken mit Beispielen. Danach kannst Du Deine Schwächen anführen, achte aber darauf, dass sie für die Auswahlkriterien des Stipendiums wenig Bedeutung haben. Am besten sagst Du, dass dies vor allem in der Vergangenheit eine Schwäche war, an der Du gearbeitet hast. Und erkläre, was Du aus dieser Schwäche gelernt hast. Vermeide aber die häufigsten Fehler.
So strukturierst Du Deine Antworten: die STAR-Methode
Eine verlässliche Art, konkrete und gut strukturierte Antworten vorzubereiten, ist die STAR-Methode, die häufig zur Beantwortung von Verhaltensfragen im Interview genutzt wird. STAR steht für Situation, Task (Aufgabe), Action (Handlung) und Result (Ergebnis). Beschreibe zuerst die Situation - den konkreten Kontext, das Projekt oder die Herausforderung, vor der Du standest. Erkläre dann die Aufgabe - die Verantwortung, die Dir übertragen wurde, und Deine eigene Rolle dabei. Als Nächstes legst Du die Handlung dar - die konkreten Schritte und die Strategie, für die Du Dich entschieden hast. Nenne schließlich das Ergebnis - was Du tatsächlich erreicht hast, idealerweise mit einem greifbaren Resultat. Der Sinn ist, ein konkretes Ereignis statt einer allgemeinen Beschreibung zu verwenden, sei es aus einem früheren Job, einem Ehrenamt oder einer anderen relevanten Erfahrung. Auf Stipendiengespräche angewendet, ermöglicht Dir diese Struktur, Aussagen über Deine Stärken, Dein Engagement oder Deine Ziele mit einem echten Beispiel zu untermauern, dem der Interviewer folgen kann.
Ziele für die Zukunft
Oft wirst Du nach Deinen Zukunftsplänen gefragt. Dein Interviewer will sehen, wie zielstrebig Du bist, und er möchte Deine Entscheidungsfähigkeit einschätzen. Sei nicht unsicher und sag nicht, dass Du darüber noch nicht nachgedacht hast. Wenn Du Dir nicht sicher bist, solltest Du trotzdem einige Möglichkeiten nennen. Und hebe diejenige hervor, die Dir am meisten am Herzen liegt.
Interviewer prüfen außerdem, ob Dein Plan konkret, realistisch und erreichbar ist - und wie das Stipendium selbst Dir dabei helfen würde, dorthin zu gelangen. Eine überzeugende Antwort deckt sowohl kurz- als auch langfristige Bildungs- und Karriereziele ab, wird konkret, wenn Du einen klaren Ehrgeiz hast, und zeigt, dass Du einen richtigen Fahrplan für Deinen Erfolg hast. Eine gestaffelte Antwort funktioniert gut: wo Du in fünf Jahren stehen willst, in zehn und in fünfzehn. Bei deutschen Programmen wie dem Deutschlandstipendium ist das Motivationsschreiben der Ort, an dem Du Deine Karriereziele und die Rolle des Stipendiums beim Erreichen dieser Ziele darlegst.
Hast Du noch Fragen?
Viele Interviewer beenden das Gespräch mit der Frage, ob Du noch Fragen hast. Nein zu sagen, ist keine gute Antwort. Das kann den Eindruck hinterlassen, dass es Dir egal ist oder dass Du nicht vorbereitet bist. Versuche also, zwei oder drei durchdachte Fragen vorzubereiten - zum Beispiel dazu, wie das Programm zu Deinem Profil passt, zur Kultur der Institution oder zum Netzwerk und den Zukunftsperspektiven, die es bietet. Das zeigt echtes Interesse und Eigeninitiative.
Es gibt auch Fragen, die Du an diesem Punkt vermeiden solltest. Frage nicht nach der Höhe der Förderung, den Auszahlungsmodalitäten oder danach, wann genau Du eine Rückmeldung bekommst - das signalisiert die falschen Prioritäten. Vermeide ebenso alles, was Du auf der Website der Organisation oder in der Programmbeschreibung hättest finden können, denn das deutet darauf hin, dass Du Dich nicht vorbereitet hast. Halte Deine Fragen offen und erfahrungsbezogen, zum Beispiel zur nicht-finanziellen Seite des Programms, zu regelmäßigen Treffen zwischen den Stipendiaten, zu Netzwerkmöglichkeiten oder zu den Erfahrungen früherer Geförderter.
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