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Stipendien

Stipendien in Österreich

Stipendien in Österreich

1. Allgemeine Situation

Viele Menschen halten Österreich noch immer für ein teures Land zum Studieren. Das stimmt nicht. Es gibt eine große Zahl an Stipendien, die Studiengebühren sind für Studenten aus EU/EWR/Schweiz minimal, und mit einem Studentenausweis bekommst Du eine ganze Reihe von Vergünstigungen. Österreich bietet Stipendien für ein breites Spektrum von Studenten an - für heimische wie für internationale. Österreichische Universitäten arbeiten sich in den internationalen Rankings langsam nach oben, was nicht zuletzt an der starken Leistung einiger Einrichtungen mit medizinischer Spitzenforschung liegt.

Zu den Gebühren: Studenten aus EU/EWR/Schweiz zahlen innerhalb der Regelstudienzeit (plus zwei Toleranzsemester) keine Studiengebühren, nur den ÖH-Beitrag von 26,20 € pro Semester. Wird die Regelstudienzeit um mehr als zwei Semester überschritten, fällt ein Beitrag von 363,36 € pro Semester an. Nicht-EU-Bürger zahlen 726,72 € pro Semester (rund 1.453 € pro Jahr) zuzüglich des ÖH-Beitrags. Die Lebenshaltungskosten liegen bei etwa 1.000 bis 1.400 € pro Monat in Wien und 800 bis 1.100 € pro Monat in Graz.

2. Arten von Stipendien und vergebende Institutionen

Österreich hat ein vielfältiges Stipendien-Angebot, das mehrere Bereiche abdeckt. Wie zu erwarten, gibt es Auszeichnungen für Personen, die entweder vor dem Studium oder während des ersten Abschlusses herausragende akademische Leistungen gezeigt haben. Studenten aus einkommensschwachen Verhältnissen finden ebenfalls Stipendien, mit denen sie ihr Studium fortsetzen können. Fördermöglichkeiten unterstützen ausländische Studenten, die auf Bachelor- oder Master-Ebene nach Österreich kommen, sowie Forscher, die sich in einem bestimmten Gebiet spezialisieren möchten. Neben diesen Hauptkategorien gibt es eine kleinere Zahl von Stipendien für Frauen in wissenschaftlichen Disziplinen sowie für Menschen mit Innovationshintergrund, die ihre Ideen und technische Exzellenz weiterentwickeln wollen.

Die zentrale Stelle ist der OeAD (Österreichs Agentur für Bildung und Internationalisierung), eine gemeinnützige Gesellschaft der Republik Österreich, die hauptsächlich über das Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung (BMFWF) finanziert wird. Der OeAD verwaltet die größten Stipendien-Programme, das Geld selbst kommt aber aus einer breiten Palette von Quellen - teils staatlich, teils von speziellen Forschungsförderern. Wichtig: Der OeAD bietet nur wenige Stipendien an, die ein komplettes Bachelor-, Master- oder Doktoratsstudium in Österreich abdecken - Vollstipendien für das gesamte Studium sind im Land selten. Wer ein ganzes Studium finanziert bekommen möchte, für den ist der Erasmus Mundus Joint Master’s Degree der realistischste Weg (siehe Abschnitt 6).

3. Verfügbarkeit und Bedingungen

Die Verfügbarkeit hängt stark vom Fachgebiet ab. In der medizinischen und biomedizinischen Forschung gibt es deutlich mehr Stipendien als in den meisten anderen Fächern. Viele Auszeichnungen sind auf ganz bestimmte Studenten zugeschnitten: manche nur für heimische Studenten, andere ausdrücklich für ausländische. Die Bedingungen jedes einzelnen Stipendiums werden individuell festgelegt - prüfe daher vor Beginn einer Bewerbung, ob das Stipendium zu Deinem bisherigen Werdegang, Deinen Leistungen und Deinen Forschungszielen passt.

4. Stipendien für ausländische Studenten

Das österreichische Stipendien-System für ausländische Studenten wird größtenteils über den OeAD abgewickelt. Eine Reihe von Auszeichnungen existiert, weil Österreich den Anteil ausländischer Studenten an seinen Universitäten erhöhen will. Manche sind fachbezogen und richten sich vor allem an Personen aus der EU; andere zielen auf bestimmte Länder außerhalb der EU, sowohl um internationale Forschungskooperationen aufzubauen als auch um hochwertige Universitätsausbildung für jene anzubieten, die sich diese im Heimatland womöglich nicht leisten können oder keinen Zugang zu ihr haben.

Ein Hinweis zur staatlichen Studienförderung: Die österreichische Studienbeihilfe nach § 4 Studienförderungsgesetz (StudFG) steht in erster Linie österreichischen Staatsbürgern sowie gleichgestellten Ausländern und Staatenlosen offen. EU/EWR-Bürger und Schweizer sind nicht automatisch anspruchsberechtigt - sie werden nur unter bestimmten Voraussetzungen gleichgestellt, etwa wenn sie das Recht auf Daueraufenthalt in Österreich erworben haben (mindestens fünf Jahre ununterbrochener rechtmäßiger Aufenthalt), wenn sie selbst oder ein Elternteil als Wanderarbeitnehmer erwerbstätig sind, oder wenn sie bereits vor Studienbeginn nachweislich in das österreichische Bildungs- und Gesellschaftssystem integriert waren. Nicht-EU-Bürger (Drittstaatsangehörige) haben nur mit Daueraufenthaltsberechtigung „Daueraufenthalt-EU” oder als Familienangehörige von EU-Wanderarbeitnehmern bzw. österreichischen Staatsbürgern Anspruch. Konventionsflüchtlinge sind ebenfalls anspruchsberechtigt. Britische Staatsbürger, die sich schon vor dem 1. Januar 2021 in einem EU-Mitgliedstaat aufgehalten haben, werden weiterhin wie EU/EWR-Bürger behandelt.

Die Höhe der Studienbeihilfe liegt bei einem Grundbetrag von 404 € pro Monat und einem Höchstsatz von 923 € pro Monat (bis zu 11.076 € jährlich). Selbsterhalter können bis zu 1.082 € pro Monat erhalten, ab dem 27. Lebensjahr bis zu 1.121 € pro Monat. Die Zuverdienstgrenze liegt bei 17.212 € jährlich (2026). Bezieher der Studienbeihilfe erhalten außerdem den Studienzuschuss, mit dem der Studienbeitrag von 726,72 € pro Jahr refundiert wird.

5. Typische OeAD-Stipendien

Typische Stipendien in Österreich laufen über den OeAD und können - je nach Finanzierungsquelle und Zweck - von einem einzigen Semester bis zu mehreren Jahren dauern. Es gibt beispielsweise finanzierte Doktoratsmodelle, bei denen die Studiengebühren übernommen werden und der Doktorand zusätzlich ein Stipendium erhält, im Gegenzug für ein festgelegtes Lehrdeputat.

Bekannte OeAD-Programme, die man kennen sollte:

  • Ernst Mach Grant - das Aushängeschild für Forschungsaufenthalte. Das Programm richtet sich an Nicht-EU-Bürger bzw. Studenten und Graduierte von außereuropäischen Universitäten. Master-Bewerber erhalten rund 1.050 € pro Monat, Doktoratsbewerber rund 1.150 € pro Monat, für 4 bis 10 Monate, inklusive Krankenversicherung und Studiengebühren. Es gilt eine Altersgrenze von 35 Jahren für die Master-Schiene. Gefördert werden Forschungsaufenthalte, keine kompletten Studiengänge. Die Bewerbungsphase läuft von Oktober bis zum 1. Februar des Folgejahres. Varianten sind Ernst Mach Worldwide, ASEA-UNINET, der Follow-up Grant und Ernst Mach für Fachhochschulen (FH). Das Sonderprogramm Ernst Mach Ukraine ist am 30. Juni 2026 ausgelaufen. Das genaue Datum für Deinen Einstiegstermin findest Du im OeAD-Portal.
  • Franz-Werfel-Stipendium - für junge Wissenschaftler im Bereich der deutschsprachigen Literatur mit Fokus auf österreichische Literatur; 1.150 € pro Monat, bis zu 18 Monate.
  • Richard-Plaschka-Stipendium - für Post-Doc-Forscher im Bereich österreichische Geschichte; 1.150 € pro Monat, Dauer 4 bis 12 Monate (verlängerbar auf 18).
  • Marietta-Blau-Stipendium - für herausragende Doktoranden, die einen Teil ihrer Dissertation im Ausland verfassen; 6 bis 12 Monate.
  • Bertha-von-Suttner-Stipendium - ein OeAD-Programm für Doktoranden.
  • Erhard-Busek-Stipendium - ein Exzellenzstipendium, das ein zweijähriges Master-Studium in Österreich für hochqualifizierte Studenten aus außereuropäischen Entwicklungsländern finanziert, mit Schwerpunkt auf MINT-Fächern und englischsprachigen Master-Programmen. Eines der wenigen OeAD-Programme, das tatsächlich einen ganzen Studiengang abdeckt.

Über den OeAD hinaus vergeben die Universitäten eigene Stipendien. Das Leistungsstipendium beträgt 750 bis 1.500 € und wird direkt von der Universität nach §§ 57-61 des Studienförderungsgesetzes ausgezahlt; es ist einkommensunabhängig (keine Bedürftigkeitsprüfung) und honoriert herausragende Leistungen, in der Regel einen Notenschnitt von 2,0 oder besser. Internationale Studenten können sich bewerben, sobald österreichische Noten vorliegen. Das uni:docs Fellowship der Universität Wien zahlt Doktoranden 30.000 € pro Jahr und ist eines der großzügigsten Einzelstipendien überhaupt.

6. Europäischer Weg: Erasmus Mundus Joint Masters

Da eine Vollfinanzierung des gesamten Studiums innerhalb Österreichs rar ist, ist der Erasmus Mundus Joint Masters-Weg oft die realistischere Option für ein vollständig gefördertes Master-Studium unter Beteiligung österreichischer Universitäten. Für den Einstiegstermin 2027/28 wird das Bewerbungsfenster voraussichtlich von Oktober 2026 bis Januar 2027 laufen. Eine zentrale Bewerbung gibt es nicht - jedes Konsortium setzt seine eigene Frist, Du bewirbst Dich direkt beim gewählten Programm. Das aktuelle Zeitfenster solltest Du vor der Bewerbung auf den Erasmus+-Seiten der Europäischen Kommission prüfen.

Ein weiteres EU-weites Stipendium ist das Study a Master’s in Europe Scholarship 2026, ein einmaliger Zuschuss von 5.000 €, der internationalen Studenten mit Beginn eines Master-Studiums in Europa offensteht. Bewerbungsschluss ist der 15. Mai 2026 um 12:00 Uhr MESZ. Die Bewerbung muss auf Englisch erfolgen; in die engere Auswahl kommende Finalisten haben dann sieben Tage Zeit, ihre Nachweise einzureichen.

7. Fünf ungewöhnliche Stipendien in Österreich

Neben den Standardprogrammen gibt es in Österreich eine Reihe ungewöhnlicher Auszeichnungen, für die sich eine Bewerbung lohnt, wenn Du ins Profil passt.

7.1 Mannagetta-Stipendium (Österreichische Akademie der Wissenschaften)

Die Johann Wilhelm Ritter von Mannagetta’sche Stiftung, eine 1661 gegründete Privatstiftung, vergibt Stipendien über die Österreichische Akademie der Wissenschaften. Das wichtigste moderne Stipendium ist mit 25.000 € über 8 bis 12 Monate dotiert und unterstützt Nachwuchsforscher in den Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften sowie in der Medizin, mit einem jährlichen Budget von 100.000 € für die Nachwuchsförderung seit 2018 in einem kompetitiven Verfahren nach internationalen Standards. Die nächste Bewerbungsfrist ist der 20. Oktober 2026 um 14:00 Uhr MESZ. Kontakt: stipref@oeaw.ac.at, unter der Adresse der Akademie, Dr. Ignaz Seipel-Platz 2, 1010 Wien. Ein separater, älterer Mannagetta-Zuschuss von bis zu 2.500 € pro Jahr wird historisch für österreichische Studenten geführt, die Mitglieder der katholischen Kirche sind und deren Eltern nicht in Wien wohnen; die aktuelle Anspruchsberechtigung solltest Du direkt bei der Stiftung prüfen.

7.2 AK-Wissenschaftspreis Oberösterreich (Kategorie A)

Die Kammer für Arbeiter und Angestellte für Oberösterreich (Arbeiterkammer Oberösterreich) vergibt diesen Preis jährlich für Dissertationen und veröffentlichte wissenschaftliche Aufsätze. Kategorie A ist mit einem Gesamtpreisgeld von 9.000 € dotiert, das nach Ermessen der Jury auf bis zu drei Preisträger aufgeteilt wird. Es gibt keine thematische Einschränkung, doch die Arbeit muss einen Bezug zu den Interessen der AK Oberösterreich haben. Die Bewerbung erfordert einen Lebenslauf, ein Anschreiben, eine 3 bis 5 Seiten lange Zusammenfassung auf Deutsch sowie die Arbeit selbst auf Deutsch oder Englisch.

7.3 Stipendienstiftung der Republik Österreich

Die Stiftung wurde am 19. Dezember 2005 durch Bundesgesetz eingerichtet und vom Österreichischen Versöhnungsfonds mit 25.829.220,98 € dotiert; nur die Zinsen werden ausgeschüttet, das Kapital bleibt erhalten. Sie richtet sich an Master- und Doktoratsstudenten, die Nachkommen von Zwangsarbeitern sind, sowie an Bewerber aus Staaten, die besonders unter der NS-Zwangsarbeiter-Anwerbung gelitten haben. Im akademischen Jahr 2007/2008 wurden bis zu 100 viermonatige Stipendien an Doktoranden und Post-Docs vergeben. Die Bewerbung erfolgt online, es besteht kein Rechtsanspruch auf ein Stipendium.

7.4 Eduard-Wallnöfer-Stiftung / Preis (Tirol)

1978 als Geschenk der Tiroler Industrie zum 65. Geburtstag von Landeshauptmann Eduard Wallnöfer gegründet, wird die Stiftung von der Industriellenvereinigung (Landesgruppe Tirol) verwaltet. Ausgezeichnet werden Forschungs- und Studienprojekte aus Nord-, Ost- und Südtirol in technischen, wissenschaftlichen und kulturellen Bereichen; die Bewerber müssen Staatsbürger Österreichs oder Italiens sowie ständige Einwohner Tirols oder Südtirols sein. Die Auszeichnungen laufen bis zu 5.000 € pro Stipendium; in jüngerer Zeit wurden jährlich zwei Preise zu je 10.000 € vergeben, die letzte Runde fand 2023 statt (insgesamt 20.000 €). Die nächste Bewerbungsphase soll voraussichtlich im März 2026 starten.

7.5 Gabriele-Possanner-Staatspreis (Gender Studies)

Der Gabriele-Possanner-Staatspreis ist eine österreichische Bundesauszeichnung, die seit 1997 alle zwei Jahre auf Empfehlung einer Fachjury vom für Wissenschaft und Forschung zuständigen Bundesministerium vergeben wird. Der Hauptstaatspreis ist mit 10.000 € dotiert. Zwei zusätzliche Förderungspreise honorieren einzelne wissenschaftliche Arbeiten, die zur Geschlechterdemokratie beitragen - der Betrag dieser Förderungspreise wird in Sekundärquellen uneinheitlich angegeben, bestätige daher den aktuellen Wert vor einer Bewerbung beim Ministerium. Die Preisverleihung 2026 ist für den 25. Juni 2026 geplant; die aktuelle Bewerbungsrunde ist geschlossen.

8. Wo suchen

Die offizielle österreichische Datenbank ist grants.at, betrieben vom OeAD im Auftrag des Bundesministeriums. Sie listet über 1.200 Stipendien, Forschungsförderungen, Preise und interne Universitätsförderungen. Sie ist neben der Suche des European Funding Guide die natürliche erste Anlaufstelle, wenn Du nach etwas suchst, das zu Deinem Profil passt.

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