Stipendien in Europa
Ein Stipendium ist das beste Geld deiner Studienfinanzierung: Du zahlst es nie zurück, und es gibt weit mehr davon, als die meisten glauben. In ganz Europa vergeben Stiftungen, Hochschulen, Unternehmen, Kirchen und öffentliche Träger jedes Jahr Förderungen an Studierende — und ein erheblicher Teil davon wird nicht abgerufen, schlicht weil sich niemand beworben hat. Diese Seite erklärt, wie Stipendien in Europa funktionieren, was sie ungefähr wert sind, wer sie vergibt und wann die Fristen liegen. Am Ende führt sie dich zum Stipendien-Guide für dein Land.
Wie groß der Markt wirklich ist
Der European Funding Guide führt über 12.000 Stipendien, Zuschüsse und Darlehen im Wert von mehr als 27 Milliarden Euro in 16 europäischen Ländern. Das ist nur der Teil, der in einer Datenbank steht. Der reale Bestand ist größer, weil viele kleine Stiftungen ihre ein oder zwei Plätze pro Jahr gar nicht öffentlich ausschreiben.
Trotzdem bekommt in Europa nur etwa jede:r zwanzigste Studierende ein Stipendium — rund fünf Prozent. Das liegt nicht am fehlenden Geld. In Deutschland vergeben allein 96 Stiftungen 133 Programme mit zusammen rund 5.500 Stipendien pro Jahr; die parteinahen Stiftungen hatten 2023 zusammen 644 Millionen Euro für politische Bildung und Stipendien zur Verfügung. Ein erheblicher Teil dieser Plätze bleibt jedes Jahr unbesetzt, weil zu wenige passende Bewerbungen eingehen. Genau hier liegt deine Chance.
Wer Stipendien vergibt — und an wen
Das berühmte Vollstipendium für Einser-Kandidaten ist die Ausnahme, nicht die Regel. Die meisten europäischen Stipendien wählen nach etwas anderem aus: nach deinem Fach, deiner Herkunftsregion, dem Beruf deiner Eltern, deinem Engagement in Vereinen und Gemeinden, deiner finanziellen Situation — oder schlicht der Kombination aus Herkunft und Studienort. Gerade kleine und mittlere Stiftungen finden oft zu wenige Bewerber:innen, die auf ihre Nischen-Kriterien passen. Manche verlangen etwa einen Geburtsort am Stifterort. Genau deshalb lohnt sich die Bewerbung auch mit durchschnittlichen Noten.
Grob lassen sich vier Geldgeber unterscheiden. Hochschulen vergeben die meisten leistungsbasierten Stipendien — Beispiele sind das ETH Zürich Excellence Scholarship, die EPFL Excellence Fellowships oder die Bocconi Merit Awards. Öffentliche Träger und Regierungen stehen hinter Programmen wie dem DAAD, dem französischen Eiffel-Programm oder den Swiss Government Excellence Scholarships. Politische und kirchliche Stiftungen wie die Heinrich-Böll-Stiftung oder die Friedrich-Naumann-Stiftung fördern nach Werten und Engagement — Letztere unterstützte 2020 insgesamt 1.214 Personen, darunter auch Studierende aus dem Nicht-EU-Ausland. Unternehmen schließlich fördern gezielt in ihren Fachgebieten: Das Google-Europa-Stipendium etwa vergibt jährlich 7.000 Euro an die zehn besten Bewerber:innen aus Informatik und verwandten technischen Fächern, mit Schwerpunkt auf Studierenden mit Behinderungen.
Wer sich zu selten bewirbt
Die Auswahlkriterien sind das eine, die Bewerbungsquote das andere — und beim Zugang zeigen sich deutliche Unterschiede. Studentinnen erhalten seltener ein Stipendium als Studenten: In einer bundesweiten Studie bewarben sich 63,7 Prozent aller Befragten, ein Stipendium bekamen aber nur 21,4 Prozent der Frauen gegenüber 23,0 Prozent der Männer. Auch Studierende aus nicht-akademischen Elternhäusern und mit Migrationshintergrund beantragen Stipendien seltener. In einer Allensbach-Umfrage schätzten 47 Prozent der Abiturient:innen ihre Chancen auf ein Stipendium als „eher schlecht“ ein. Diese Selbsteinschätzung kostet mehr Bewerbungen als jedes Kriterium — wer nicht fragt, bekommt sicher nichts.
Was eine Stipendienbewerbung braucht
Die meisten Bewerbungen bestehen aus denselben Bausteinen: Immatrikulations- oder Zulassungsnachweis, Lebenslauf, ein bis zwei Empfehlungsschreiben und ein Motivationsschreiben, das erklärt, warum der Zweck der Förderung und deine Geschichte zusammenpassen. Beim Motivationsschreiben zählt vor allem dein gesellschaftliches Engagement und deine außerschulischen Aktivitäten; die Unterlagen sollten ein stimmiges Gesamtbild ergeben. Dieser letzte Teil entscheidet mehr Bewerbungen als die Noten. Und weil die Kriterien so unterschiedlich sind, schlagen fünf gut passende Bewerbungen jede beliebige Massenbewerbung.
Wann die Fristen liegen
Bewerbungsfristen ballen sich in den meisten Ländern zweimal im Jahr — etwas Planung zahlt sich aus. Die Heinrich-Böll-Stiftung etwa hat zwei Verfahren pro Jahr mit Fristen am 1. März und 1. September. Große Hochschulprogramme laufen oft anders: Beim Cambridge European Scholarship bewirbst du dich automatisch mit deiner Master- oder Promotionsbewerbung, Frist ist der Januar des Bewerbungsjahres; es deckt typischerweise 30 bis 80 Prozent der Studiengebühren plus einen Anteil der Lebenshaltungskosten. Das Deutschlandstipendium hat je nach Hochschule eigene Termine — an der Universität des Saarlandes etwa läuft die Frist für 2026/2027 bis zum 30. Juni 2026, ausschließlich online.
Ein Punkt zu Kombinationen: Beim Deutschlandstipendium sind gleichzeitige Teilstipendien möglich, aber keine zweite Vollförderung. Und wer über den Bund gefördert wird, sollte die Auslandsregeln kennen — nach der Stipendienrichtlinie des Auswärtigen Amts (Stand 1. September 2024) sollen Auslandsphasen im Regelfall 25 Prozent der Gesamtförderdauer nicht überschreiten, bei gemeinsamen Studien- oder Doppelabschluss-Programmen bis zu 50 Prozent.
Finde die Stipendien, die zu dir passen
Der European Funding Guide bündelt diese Stipendien in einer Datenbank, jedes mit aufgeschlüsselten Kriterien. Du sagst uns, was du wo studierst und ein wenig über deinen Hintergrund — das Matching zeigt dir die Förderungen, deren Kriterien du tatsächlich erfüllst, samt Fristen und Bewerbungsdetails. Der Service ist kostenlos.
Was diese Seite nicht abdeckt
Der European Funding Guide deckt 16 europäische Länder ab — nicht ganz Europa und nicht die Welt. Stipendien für ein Studium außerhalb dieser Länder findest du hier nicht. Wir listen außerdem gezielt Stipendien, Zuschüsse und Darlehen zur Studienfinanzierung; staatliche Grundförderung wie das deutsche BAföG oder die österreichische Studienbeihilfe ist ein eigenes Thema und läuft über die jeweiligen Ämter, nicht über unsere Datenbank. Und für sehr kleine, lokale Stiftungen, die ihre Plätze nie ausschreiben, hilft am Ende nur der direkte Kontakt vor Ort.
Der Stipendien-Guide für dein Land
Unten findest du den Stipendien-Guide für jedes Land, das wir abdecken: welche Förderungen dort zählen, wer sie vergibt und wie die Bewerbungssaison läuft.
Stipendien in Österreich — der Überblick für ein Studium in Österreich, für heimische wie internationale Studierende. Der Guide zeigt, warum Österreich günstiger ist als sein Ruf: minimale Studiengebühren für Studierende aus EU, EWR und der Schweiz, ein breites Stipendienangebot und Vergünstigungen über den Studentenausweis.
Stipendien-Guides nach Land
Neu hinzugekommene Förderungen für dein Studium in Vereinigtes Königreich
Förderungen für ein Auslandssemester oder -jahr
Finde Stipendien in Großbritannien
Wir führen 3527 Fördermöglichkeiten für Großbritannien. Erzähl uns von deinem Studium und sieh, welche zu dir passen.
Starte jetzt deine kostenlose SucheUnser Service ist kostenlos.
- Zum Verfassen von Kommentaren bitte Anmelden oder Registrieren.